Herz in der Schwebe

Ich bin schon wieder zwei Wochen am anderen Ende der Welt, aber eine Reflektion scheint nach wie vor schwierig.
Hauptproblem für die Kommunikation ist fehlendes Internet. Im vergangenen Jahr wurden die Telefonkabel gestohlen und jetzt bleibt nur Internet übers Handy, was bei mir aber komischerweise nicht funktioniert. So kann ich nur einmal die Woche kurz bei einer Kollegin Emails checken, also bitte nicht böse sein, wenn die Antwort auf sich warten lässt und eher kurz ist…

Der Flug war sehr gut, ich hatte nur einen kurzen Aufenthalt in Dubai und da die Maschine nur halbvoll war, hatte ich sogar eine Reihe für mich zum Schlafen. Aber der Gedanke, bald wieder in Südafrika zu sein, hielt mich vom Schlaf ab. Am Flughafen wurde ich sehr herzlich empfangen und alles schien so vertraut. Der Weg zur Farm durch die Stadt, die Baustellen- selbst die Schlaglöcher waren noch diesselben!J

Insgesamt sind viele Dinge gleichgeblieben, wo ich es nicht erwartet hätte. Ich habe das Gefühl, als wäre ich gar kein Jahr weggewesen, alles schien vertraut und so wie immer. Es tat gut, die Farm wieder zu sehen, die Kids, die mich noch kannten und lieb begrüßten. Am Montag konnte ich zum ersten Mal wieder mit in die Schulen gehen und das brachte etwas Routine zurück, die einem lieb geworden war.
Diese „zum ersten Mal wieder“- Toast mit Cheddar, Roibos Tea, KFC Burger, über die Sandpiste düsen, Freunde wieder sehen, alte Straßen erkunden, in die Gemeinde gehen, unter der kalten Dusche zittern…
Ich merke, wie mir Südafrika doch heimischer geworden ist als gedacht.
Dann gibt es aber auch die ganz andere Seite, wo alles so ganz anders ist. Mein Kopf hatte es wohl begriffen, dass manche Leute gegangen waren, manches sich verändert hatte und das Leben nicht einfach so weitergehen konnte wie bisher. Aber mein Herz ist noch nicht hinterher gekommen und hatte wohl die Hoffnung, dass ich zurück in die Vergangenheit katapultiert werden würde und alles beim Alten bliebe. Das hat sich nicht erfüllt, aber erst nach und nach bemerke ich die Auswirkungen davon. Instinktiv mache ich bestimmte Bewegungen oder gehe in eine bestimmte Richtung, weil es immer so war; nur um dann zu merken, dass das nicht geht und es eben nicht mehr so ist vorher.
Wie automatisch schlage ich den Weg Richtung Holzhaus ein, aber dort wohnt jetzt jemand anderes. Ich bin nur noch Besucher. Obwohl ich kein Recht dazu habe, kommt in mir doch das Gefühl auf, dass es doch mein Platz ist und weggenommen wurde. Man betritt das Haus und erwartet, dass alle wieder da sind, am Tisch sitzen und man zusammen isst und lacht. Aber da ist nur gähnende Leere, die einen erwartet, ein einsames Zimmer und viel Zeit-zu viel Zeit- für sich selbst.
Da bleibt es an mir, auf das zu schauen, was gleich ist. Freunde treffen, quatschen, Spaß haben und neue Dinge ausprobieren. Und immer wieder auf den zu vertrauen, der sich nie ändert…

Author: Katha von Dessien

Teacher. Believer. Third Culture Kid. World Traveler. People Lover. Writer.

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